Von der ersten Minute an konnte er das Publikum in seinen Bann ziehen. Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können, so still wurde es.

AMTSBLATT NEUHAUSENRezitator der Lesung »Frankenstein oder Der moderne Prometheus«

1984

1948 schuf George Orwell die Dystopie des totalen Überwachungsstaats, in dem »Neusprech« und »Doppeldenk« regieren und der Große Bruder allgegenwärtig ist. Im toten Winkel seines Zimmers beginnt Winston Smith, entgegen aller Hoffnung nach Antworten zu suchen: Ist die Partei ewig? Wer ist jenseits des Teleschirms? Und ist seine Kollegin Julia eine Spionin der Gedankenpolizei oder die einzige Rettung? »Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke!«LESUNG

DER SELTSAME FALL DES BENJAMIN BUTTON

Mit dieser Satire folgt F. Scott Fitzgerald 1922 dem Lebensweg eines Mannes, der als Greis zu Welt kommt und statt normal zu altern immer jünger wird. So kommt er mit dem gesellschaftlichen Kodex in Konflikt, dessen Beharren auf altersgerechten Konventionen in den aberwitzigsten Situationen gipfelt. Tragisch für die Hauptfigur, amüsant für das Publikum! »Halbwegs hineingestopft in eines der Bettchen hockte dort ein alter Mann von augenscheinlich etwa siebzig Jahren.«LESUNG

FIGHT CLUB

Die Verfilmung dieses Kultromans ist legendär, die 1996 erschienene Vorlage von Chuck Palahniuk inhaltlich wie stilistisch außergewöhnlich. Als der überdrüssige und schlaflose Erzähler den Seifenhändler Tyler Durden kennelernt, ändert sich sein Leben radikal. Gemeinsam erfinden sie den Fight Club, der nur ein Ziel verfolgt: Ganz unten anzukommen! »Die erste Regel des Fight Club lautet: Man redet nicht darüber! Die zweite Regel des Fight Club lautet: Man redet nicht darüber!«LESUNG

DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY

1890 schuf Oscar Wilde die Verkörperung des Traums von ewiger Schönheit und Jugend. Während sich Dorian Gray immer stärker seinen düsteren Leidenschaften hingibt, scheinen weder die Jahre, noch seine Taten jemals Spuren in seinem Antlitz zu hinterlassen - allein sein gut verwahrtes Porträt wandelt sich zusehens ins Grauenhafte. Ein Psychothriller! »Das Bild hatte ihn gelehrt, seine eigene Schönheit zu lieben. Sollte es ihn lehren, sich vor seiner eigenen Seele zu ekelen?«LESUNG

FRANKenSTEIN

Seit 1818 gilt Mary Shelleys Schauerroman »Frankenstein oder Der moderne Prometheus« als Klassiker der Horrorliteratur. In Briefen und geschickten Rückblenden erzählt sie meisterhaft spannend vom größenwahnsinnigen Doktor Frankenstein und seinem glücklosen Geschöpf, das längst zum Inbegriff menschlicher Schöpfung und Verantwortung geworden ist. »Wenn ich nicht Liebe einflößen kann, werde ich Furcht verbreiten. Du bist mein Schöpfer, aber ich bin dein Herr.«LESUNG

MICHAEL KOHLHAAS

Dem historischen Michael Kohlhaas, eigentlich Hans Kohlhase, setzt Heinrich von Kleist 1810 ein sprachgewaltiges Denkmal. Nachdem alle Bemühungen, sein Recht gegen einen adligen Junker auf juristischen Wegen durchzusetzen, an Klüngelei und Vetternwirtschaft scheitern, übt Kohlhaas eine rasende Selbstjustiz, die ein ganzes Land in Atem hält und auch ihn selbst nicht verschont. »Einer der rechtschaffendsten und zugleich entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.«LESUNG

DAS PARFUM

Patrick Süskinds »Geschichte eines Mörders« ist seit Erscheinen 1985 ein Bestseller. Der mittellose, aber mit einer überaus empfindsamen Nase ausgestattete Jean-Baptiste Grenouille verfolgt nur ein Lebensziel: Das perfekte Parfum! Auf seinem grausigen Weg durch Paris kennt er keine Skrupel und hinterläßt keine Spuren. Eine lakonische Reise in die flüchtige Welt der Gerüche - spannend, mörderisch, sinnlich! »Freilich liebte er nicht etwa das Mädchen. Er liebte ihren Duft. «LESUNG

WAS WIR NICHT HABEN, BRAUCHEN SIE NICHT

Fernsehmoderator und Urgestein Dieter Moor hat sich 2008 eine fixe Idee in den Kopf gesetzt: Er zieht aus der idyllischen Schweiz ins tiefste Brandenburg. In seinen »Geschichten auf der arschlochfreien Zone« berichtet er als skeptisch beäugter Neuankömmling, wie er trotz vieler Hindernisse sein Herz an die neue Heimat und ihre Bewohner verliert. »Das vergessene Land. Da war nie was, da wird auch nie was sein, und da willst du ernsthaft hin? Du bist bekloppt!«LESUNG

BLÖDE LAUSITZ

Die Zutaten des offiziellen Regionalgerichts der Nieder- und Oberlausitz bestehen aus vier Ingredienzien: Kartoffeln, Quark, Salz und Leinöl. Viel Leinöl! In seinen Humoresken rund um das flüssige Gold dekliniert der Cottbusser Autor Klaus Muche die Lausitz und ihre Einwohner liebevoll durch alle literarischen Genres. »Der Papst, so heißt es, soll sich standhaft weigern, Altenkirchen zum Wallfahrtsort "Zum Heiligen Leinöl" zu erklären. Aber der Papst ist auch nicht von hier.«LESUNG

LIEBER EINMAL MEHR ALS MEHRMALS WENIGER

In Dieter Moors zweitem Buch über sein Leben in der ostdeutschen Provinz stellen ein kaputter Traktor, der häusliche Friede und jede Menge Wasserbüffel die frisch gewonnene Dorfidylle auf harte Proben. Alle vertrauten Figuren und freilich auch die innere, meist empörte Stimme des »kleinen Schweizers« melden sich wieder zu Wort - natürlich gewohnt selbstironisch, fern von Klischees und mit viel Liebe für eine verkannte Region. »Gar nicht so schlimm, in Brandenburg! «LESUNG

FARM DER TIERE

George Orwells Parabel über Aufstieg und Fall sozialer Utopien gehört seit 1945 zweifellos zu den bekanntesten modernen Fabeln. Nachdem sie ihren Herren in die Flucht geschlagen haben, betreiben die Tiere die Farm gemeinschaftlich und nach freiheitlichen Idealen - doch schon bald frisst die Revolution Stück um Stück ihre eigenen Kinder. Ein ebenso ungewöhnlicher wie klarer Einblick in die Widrigkeiten großer Umstürze! »Alle Tiere sind gleich. Aber manche Tiere sind gleicher.«LESUNG

TRACTAT VOM STEPPENWOLF

Harry Haller ist in den besten Jahren, gebildet, unabhändig - und des Daseins überdrüssig. Als ihm eine Abhandlung in die Hände fällt, die von ihm und seinem zerrissenen Wesen erzählt, setzt eine so schmerzvolle wie phantastische Wandlung ein. Dieser Auszug aus Hermann Hesses »Der Steppenwolf« von 1927 ist als psychologisch-philosophische Studie selbst berühmt geworden. »Der Mensch ist ja keine feste und dauernde Gestaltung, er ist vielmehr ein Versuch und Übergang.«LESUNG

EINE TRILLION EURO

Andreas Eschbach vereint 2004 Science-Fiction mit viel Humor. Eine aus unterschiedlichsten Wesen zusammengewürfelte außerirdische Delegation bietet dem von Klimawandel und Umweltzerstörung gebeutelten Europa an, es auf dem Mond nachzubauen. Doch die Dienstleistung hat ihren Preis, und eine bizarre Verhandlung beginnt! »Wir sind Vertreter einer intergalaktisch tätigen Firma und wollen Ihnen ein Angebot unterbreiten, sagte der mit den Tentakelaugen.«LESUNG

DER SELTSAME FALL VON DR. JEKYLL UND MR. HYDE

Robert Louis Stevenson entwarft 1886 das wohl bekannteste Doppelgängermotiv der Weltliteratur. Der angesehene Arzt Dr. Jekyll steht gut situiert in der Mitte der Gesellschaft - wäre da nicht jener grobschlächtige Mr. Hyde, der auf seltsame Weise immer wieder in Verbindung mit ihm zu stehen scheint. Dem Anwalt Utterson lässt das keine Ruhe, und er kommt einem unglaublichen Geheimnis auf die Spur! »In jedem von uns ringen zwei Naturen miteinander: Gut und Böse!«LESUNG

Eine WEIHNACHTSGESCHICHTE

Jeder kennt die Erzählung um den alten Geizkragen Ebenezer Scrooge, der in der Nacht vor Weihnachten von drei Geistern heimgesucht wird, die sein Leben auf den Kopf stellen. Wenn auch aus dem Jahr 1843, sprüht Charles' Dickens »A Christmas Carol« vor phantastischen Ideen, sprachlichem Witz und schrulligen Figuren. Ein Muss nicht nur zu Weihnachten! »Ich freue mich selbst nicht zu Weihnachten und habe nicht die Mittel, mit meinem Geld Faulenzern Freude zu machen.« LESUNG

ICH möchte sagen, wie ungemein anspruchsvoll und doch herzlich unterhaltsam dieses Programm war.

PEGGY SCHUMANNAutor, Regisseur und Majoranmann in »Nieder, Lausitz!« (Das Leinölprogramm)

VORGETRAGEN VON THOMAS WIESENBERG, DER HUMORVOLL UND MIT EINER UNGLAUBLICHEN SPRACHAKROBATIK DIE ZUHÖRER MEHR ALS EINMAL ZUM LACHEN BRACHTE.

PETRA HÖHNARezitator der Lesung »Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht«